Pfadi Seeland Scouts

1. Kartenlesen
Die Karte gibt in übersichtlicher und handlicher Form Auskunft über Geländeformen, Siedlungen, Gewässer, Wege und vieles mehr. Allerdings ist die Landkarte lediglich eine verkleinerte und vereinfachte Abbildung der Erdoberfläche.

Massstab
Mit Massstab bezeichnet man das Verkleinerungsverhältnis von der Natur zur Karte. Beim Massstab 1:25000 ist folglich auf der Karte jede Strecke 25000 mal kürzer als in der Natur. In der Pfadi braucht man meistens die Karten im Massstab 1:25000, aber auch solche in den Massstäben 1:50000 und 1:100000.

Geländedarstellung
Auf der Landeskarte verhelfen Höhenkurven sowie eine feine Schattierung zur Wiedergabe der Geländeformen. Höhenkurven sind gedachte Linien im Gelände, wobei alle Punkte auf einer bestimmten Höhenkurve dieselbe Meereshöhe haben. Ausgangspunkt für die Schweizer Höhenmessung ist der Pierre du Niton, ein Stein im Genfer Hafen, welcher 373,6 Meter über Meer liegt.
Höhenkurven (THILO)Auf einer Karte ist der senkrechte Höhenabstand zwischen zwei folgenden Höhenkurven immer gleich gross. Diesen Abstand nennt man Äquidistanz.

Die Schummerung hebt die Geländeformen auf der Karte noch plastischer hervor. Dabei nimmt man eine Beleuchtung aus Nordwesten an, die südöstlich abfallenden Flanken werden in violettgräulicher Tönung schattiert.

 

Signaturen
Auf der Landeskarte sind nicht nur die Geländeformen eingetragen, sondern auch die Geländebedeckungen wie Häuser, Strassen, Bahnen, Flüsse, Wälder usw. Aus Platzgründen werden aber nicht alle Einzelheiten dargestellt. Zudem können nicht alle wichtigen Dinge im richtigen Massstab abgebildet oder gar angeschrieben werden. Zur vereinfachten Darstellung benutzt man daher Zeichen, sogenannte Signaturen, welche für unsere Karten genau festgelegt sind. Die gebräuchlichsten Signaturen sind in jedem Buchladen oder Papeterie in einem kleinen Infoblatt erhältlich.

Koordinaten
Koordinaten heissen die Zahlen, welche die genaue Lage eines Punktes angeben. Um jeden Punkt in der Schweiz bestimmen zu können, hat man sie mit einem Koordinatennetz aus senkrechten und waagrechten Linien überzogen. Der Abstand zwischen diesen Koordinaten beträgt jeweils einen Kilometer, man spricht daher auch vom Kilometernetz. Dieses Netz ist mit den zugehörigen Kilometerwerten auf den Landeskarten aufgedruckt.

Koordinatensystem (THILO)

Die senkrechten Linien (Ordinaten) werden von West nach Ost (also nach rechts) gezählt. Sie zeigen den Rechtswert, der zwischen 400 und 900km liegt. Die waagrechten Linien (Abszissen) werden von Süden nach Norden gezählt und bezeichnen den Hochwert, der zwischen 0 und 300km liegt.
Die Lage eines Punktes im Koordinatennetz wird stets durch einen Rechtswert und einen Hochwert angegeben. Der Nullpunkt des Netzes wurde in die Nähe von Bordeaux in Frankreich verlegt, damit in der Schweiz der Rechtswert immer grösser ist als der Hochwert. Sie können also nicht verwechselt werden. Fixpunkt in der Schweiz ist die alte Sternwarte Bern mit den Koordinaten 600.000/200.000 (600km/200km).
Punktbezeichnung: In der Regel liegt ein gesuchter Punkt nicht direkt auf dem Schnittpunkt von zwei Kilometerlinien, sondern irgendwo im Netzquadrat. Auf einem Kartenausschnitt soll ein Punkt bestimmt werden: liegt unser Punkt z.B. im Quadrat mit dem Rechtswert 687 und dem Hochwert 255, so muss man mit einem Kartenmasstab die Distanz von den genannten Kilometerlinien zum gesuchten Punkt messen. Nach rechts misst man bei diesem Beispiel noch 130 Meter, nach oben 275 Meter. Diese Werte werden hinter dem zugehörigen Kilometerwert notier. Man erhält somit die beiden Zahlengruppen 687.130/255.275. Der gesuchte Punkt liegt also 687 Kilometer 130 Meter östlich und 255 Kilometer und 275 Meter nördlich vom Nullpunkt.

2. Kompass
Der Kompass ist ein Messgerät zur Bestimmung der Himmelsrichtungen. Die älteste Ausführung ist der Magnetkompass, welcher anhand des Erdmagnetfelds die Bestimmung der Nordrichtung und daraus aller anderen Himmelsrichtungen erlaubt. Ein anderes Gerät, das die gleiche Funktion, jedoch ein anderes Funktionsprinzip besitzt, ist der Kreiselkompass.
Der Kompass wurde schon im Kaiserreich China erfunden. Damals bestand der Kompass aus einem Stück Magneteisenstein, der an einem Faden aufgehängt war und Südweiser genannt wurde. Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus spezielle Kompassformen mit einer Einteilung in 24, 32 Striche oder sogar 48 Himmelsrichtungen (Erdzweige). Der englische Wissenschaftler und Lehrer Alexander Neckam erwähnte den Kompass erstmals in seinen Schriften im 12. Jahrhundert. Nach Europa gelangte der Kompass über die Araber erst 1190. Seine uns geläufige heutige Form erhielt der Kompass im 13. Jahrhundert, angeblich von italienischen Seefahrern aus Amalfi, wo heute noch Flavio Gioia als „Erfinder des Kompasses“ mit einem Denkmal am Hafen geehrt wird.
Vor der Einführung des Kompasses orientierten sich die Seefahrer an Himmelskörpern, an Landmarken, an der Tiefe der See mittels Messung mit dem Lot, Dünung und Strömung, Wind, Wassertemperatur, -Farbe und -Geschmack, Tieren, Wolken und weiteren Merkmalen.

Das Benutzen des Kompasses ohne Karte, wenn du eine Richtung bestimmen möchtest:

  • Suche einen markanten Punkt entlang deiner Route. Halte den Kompass waagerecht gerade vor dich mit dem Markierungspfeil zum Peilpunkt oder Ziel hin.
  • Um die Marschrichtung zum Ziel hin abzulesen, muss die Kompasskapsel nun gedreht werden, bis das "N" der Kapsel mit dem roten Ende der Nadel übereinstimmt. Lies nun die Richtung in Grad an der Index - Linie ab, die zum Ziel hinweist. Diese Richtung kann auch anderen als Marschrichtungszahl angegeben werden.
  • Halte den Kompass so, dass die Nadelrichtung mit dem "N" der Kapsel übereinstimmt , schaue auf und laufe auf den Peilpunkt zu. Wiederhole diese Prozedur bis du dein Ziel erreicht haben.

Wenn dir deine Richtung bekannt ist:

  • Wenn dir die Marschrichtungszahl bekannt ist, dann drehe die Kompasskapsel bis die Gradzahl (Marschrichtungszahl) an der Index - Linie eingestellt ist. Halte den Kompass waagerecht mit dem Richtungspfeil voraus.
  • Drehe dich mit dem Kompass in der Hand solange, bis das rote Ende der Nadel mit dem "N" der Kapsel übereinstimmt. Der Richtungspfeil weist zum Ziel hin.
  • Suche einen markanten Punkt in der Richtung des Pfeils und laufe darauf zu. Dort angekommen, wiederholst du den Vorgang, bis du dein Ziel erreicht haben.

Positionsbestimmung:

Kreuzpeilung
Um deine Position zu bestimmen, suche zwei markante Punkte im Gelände, die auch auf der Karte zu erkennen sind. Peile nun den ersten Punkt an und drehen dann die Kompasskapsel bis sich die rote Nadelspitze mit "N" deckt.
Lege den Kompass mit der langen Anlegekante so auf die Karte, dass der Richtungspfeil oder der Spiegel zum Peilpunkt weist. Drehe den ganzen Kompass bis der Nordpfeil des Kompassgehäuses nach Norden auf der Karte zeigt. Zeichne eine Linie vom Peilpunkt zum Linealende. Wiederhole dies mit dem zweiten Punkt. An der Schnittstelle der beiden Linien befindet sich deine Position.

3. Krokieren
Das Krokieren (von franz. "croquiere") bezeichnet in der Schweiz das Anfertigen von Geländeskizzen oder Krokis aller Art.
Das Kroki ist also eine von Hand gezeichnete Skizze eines Geländeabschnittes in Form einer vereinfachten Ansicht oder eines vereinfachten Planes. Es dient zur Verdeutlichung einer Meldung, zur Angabe eines Punktes oder einer Wegstrecke. Ein Kroki erfüllt dann seinen Zweck, wenn es besondere Informationen enthält, welche einer Landeskarte oder einer blossen Beschreibung nicht entnommen werden können. Das Kroki ist demnach eine persönliche Darstellung des Geländes, auf dem wir z.B. auch unsere Lagerbauten einzeichnen können. Je nach Verwendungszweck zeichnet man ein Ansichts-, Plan- oder Wegkroki.
Jedes Kroki enthält folgende Grundangaben:
Der Titel sagt aus, was das Kroki darstellt (beim Ansichtskroki auch Hinweis auf Standort des Betrachters); der Massstab wird durch eine Vergleichsstrecke ersichtlich, die man im Kroki einträgt; wichtige Objekte werden angeschrieben; die Angabe der Nordrichtung erleichtert die Ausrichtung des Krokis nach dem Gelände; der Name des Zeichners sowie Entstehungsdatum und -zeit werden unten am Krokirand angeschrieben

Grundschraffierung

Für alle Kroki-Arten gelten folgende Schraffierungen für die Darstellung:

Schräg: Wald, Gebüsch und Bäume
Waagrecht: Gewässer
Senkrecht: Gebäude und Siedlungen

 

Übriges Gelände wie Wiesland, Äcker, Plätze wird nicht schraffiert.
 

Für genauere Angaben verwendet man in einem Ansichtskroki die oben abgebildeten Signaturen. Rechts sind die Signaturen abgebildet, die im Plan- und Wegkroki verwendet werden.

 

Das Ansichtskroki
Ein Ansichtskroki ist ein skizziertes Bild eines Geländeausschnittes. Zeichne zuerst ganz leicht die wichtigsten Geländelinien vor, damit du die richtige Blatteinteilung erhältst. Dann werden die notwendigen Details wie Wälder, Strassen, Häuser, Lagerplatz usw. durch vereinfachte Signaturen (siehe Abbildung oben links) eingetragen und die vorgezeichneten Geländelinien ausgezogen.
Mit zunehmendem Abstand vom Betrachter werden die Striche der Geländeformen und Objekte immer schwächer abgebildet. Abschliessend werden noch allfällig notwendige Beschriftungen angebracht (z.B. Gelände- oder Ortsnamen, Lagerplatz ...).
 
Das Plankroki
Das Plankroki ist eigentlich eine von Hand gezeichnete Karte. Es soll aber nicht einfach ein Ausschnitt aus der Landeskarte abgezeichnet werden, sondern man kann gerade auf dem Plankroki Einzelheiten darstellen, für die auf der normalen Karte kein Platz vorhanden ist.
Auf dem Plankroki eines Dorfes können zum Beispiel die für ein Lager wichtigsten Gebäude wie Läden, Post, Gemeindehaus, Kirche, Bahnhof usw. hervorgehoben werden. Beim Rekognoszieren eines Lagerplatzes kann man auf einem Plankroki bereits die möglichen Standorte der vorgesehenen Bauten eintragen.
Für das Plankroki gibt es ebenfalls vereinfachte Signaturen (Abbildung oben).
 
Das Wegkroki
Das Wegkroki ist dem Plankroki ähnlich und soll den Weg von einem Punkt zu einem anderen weisen. Ein Wegkroki wird verwendet, wenn keine Landeskarte vorhanden ist oder wenn diese zu wenig detailliert ist. Im Unterschied zum Plankroki werden beim Wegkroki nur Einzelheiten angegeben, die unmittelbar links oder rechts des Weges liegen. Die Signaturen sind gleich wie beim Plankroki (Abbildung oben).
 

4. GPS
Das Global Positioning System, auch Globales Positionssystem (GPS) ist ein satelitengestütztes Navigationssystem des US-Verteidigungsministeriums zur weltweiten Positionsbestimmung.
Heute wird es jedoch hauptsächlich im zivilen Bereich genutzt: In der See- und Luftfahrt, durch Navigationssysteme im Auto, zur Orientierung im Outdoor-Bereich, im Vermessungsbereich etc. Ebenso wird GPS nun auch im Leistungssport verwendet. Speziell für den Einsatz in Mobiltelefonen wurde das Assisted GPS (A-GPS) entwickelt.
GPS-Geräte eignen sich auch zum Einsatz am Fahrrad, beim Wandern (z. B. als kompaktes Gerät am Handgelenk) oder auf einem Boot.
Schon einfache Geräte können heute nicht bloß die Längen- und Breitengrade anzeigen, sondern auch Richtungsangaben machen, Entfernungen berechnen und die aktuelle Geschwindigkeit angeben. Die Anzeige kann so eingestellt werden, dass ein Kompasssymbol ausgegeben wird, das nicht nach Norden, sondern in die Richtung zeigt, die vom Benutzer durch die Eingabe der Zielkoordinaten (Wegpunkt) angegeben worden ist. GPS-Geräte stellen hier eine Weiterentwicklung der klassischen Navigation mit Kompass und Karte dar. Hochwertige, moderne Geräte können neben Wegpunkten, Routen und Track Logs auch digitale Karten speichern und damit den aktuellen Standort auf einer Karte darstellen. Für den Außenbereich liegen für verschiedene Länder Topografische Karten im Maßstab 1:25.000 zur Nutzung mit dem GPS vor.

Stand 30. August 2006